Donnerstag, 15. März 2012

Erntedankfest

Sozialisation auf dem Land 

Aufgewachsen bin ich in einem kleinen Dorf in Niedersachsen. Die Kindheit war toll, die Teenagerphaee unglaublich langweilig. Aus der Zeit (ca. 1982) stammt diese Betrachtung hinsichtlich der dorftypischen Feierlichkeit des Erntedanks.
 
Erntedankfest 

Das Festzelt auffällig rotweiß gestreift, in einer weitläufigen, flachen Wiesenlandschsft aufgebaut. Vereinzelte entlaubte Bäume und die letzten Schwarzbunten, träge widerkäuend, auf den herbstlichen Wiesen. Musik dröhnt aus dem Festzelt. Weniger harmonisch als forsch und lautstark schmettert die Einmann-Kapelle die Lieder dahin, die Gäste tanzend stampfend in dem balkenbiegenden Gedränge. Rund um die Theke schwanken und schwadronieren die Feiernden bierselig über Rind und Rüben. Der verschüttete Rote Genever hinterlässt klebrige Spuren auf der Festkleidung der Damen. Korn und Bier hingegen hinterlassen zwar keine Flecken, doch ihr Geruch frisst sich in Krawatten, Hemden, Hosen, Jackets sowie Feuerwehr- und Schützenuniformen.
So ziehen die Stunden dahin und bis zum Morgengrauen leert sich allmählich das Festzelt. Ruhe kehrt ein und lässt die verlassene Kulisse unwirklich im Nebel verschwinden.

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